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Digitale Hauptstadt Frankfurt – ein Anspruch, der mit Leben zu füllen ist.

9. Juli 2015 - 9:20

Es ist 7:30 Uhr – irgendwo in Frankfurt. An der Haustür wünsche ich meinem Sohn einen schönen Tag, mahne zur Vorsicht auf dem Schulweg und reiche ihm seinen Rucksack. „Meine Güte, habt ihr heut‘ Maurerkurs?“ „Nee, nur Bio, Powi und Geschi“, antwortet mir mein Sohn und schnallt sich den für seine Gewichtsklasse wohl bedenklich schweren Rucksack um. Kurze Zeit später fahre ich in mein Büro – ausgerüstet mit Smartphone und Tablet – und frage mich, ob in Schulämtern und Kultusministerien das Thema Digitalisierung auch schon angekommen ist?

An 0,5 Prozent der deutschen Schulen kommen Tablets zum Einsatz, wie einem Artikel der FAZ vom Februar 2015 zu entnehmen ist. Deutschland hinke der Entwicklung mal wieder hinterher, obwohl Pädagogen voll des Lobes seien und erste Studien von besseren Lernergebnissen berichten. In Schweden, Estland und Lettland würden digitale Medien bereits ab der ersten Klasse zum Inventar gehören – selbst Thailand und die Türkei seien besser aufgestellt.      

„Digitale Hauptstadt Frankfurt“ ist vor diesem Hintergrund ein hehrer Anspruch. Spricht man mit hiesigen Wirtschaftsförderern und verantwortlichen Politikern hört man Aussagen wie „sehr gut aufgestellt“, „beste digitale Infrastruktur“ und selbstverständlich vom „weltweit größten internationalen Internet-Knotenpunkt“. Grundsätzlich entspricht dies auch weitgehend den Tatsachen. Viele Kommunen würden sich wohl gerne mit diesen Standortfaktoren schmücken. Dennoch finden sich nicht nur in den Schulen der nach eigenem Verständnis internationalsten Stadt Deutschlands noch so einige digitale Lücken – prominentestes Beispiel ist das Fehlen von freiem WLAN im öffentlichen Raum. Ein zunehmendes Ärgernis für Bürger, Gäste und den zahlreichen internationalen Touristen, die dank Flughafen aus allen Teilen der Welt in die Region strömen. Obwohl die Digitalisierung in Wirtschaft und Gesellschaft einen immensen Bedeutungszuwachs erfahren hat, zeigt sich die Frankfurter Administration dahingehend vergleichsweise zögerlich und zurückhaltend.

Für die Wirtschaft gehört die Konnektivität mit der virtuellen Welt, der Zugriff auf Informationen, Nachrichten und soziale Netzwerke zum Tagesgeschäft. Es ist für viele Unternehmen schlicht Grundvoraussetzung ihres wirtschaftlichen Handelns. Schnelle Verfügbarkeit von Daten zählt nicht selten sogar zum wesentlichen Bestanteil des kompetitiven Vorteils. Dazu braucht es nicht erst Beispiele wie den Aktienhandel an der Frankfurter Börse oder die Finanzgeschäfte der in Frankfurt ansässigen Finanzinstitute zu bemühen. Der Paketauslieferer ist ebenso auf eine verlässliche und schnelle mobile Netzverbindung angewiesen wie der Verlader von Gepäck oder Luftfracht am Flughafen.  

Nach einer Studie von CISCO-Systems wird der Datenverkehr in den kommenden Jahren um durchschnittlich 25 Prozent p.a. zunehmen. Das bedeutet für die Kommunen als Bereitsteller von Infrastruktur eine immense, insbesondere auch finanzielle Herausforderung. Daher ist es für eine Kommune umso mehr erforderlich, sich langfristig strategisch dem Thema digitale Infrastruktur zu stellen.

Gerade für eine Stadt wie Frankfurt müsste es von hohem Interesse sein, im Thema Digitalisierung eine Vorreiterrolle einzunehmen. Die Wettbewerbsfähigkeit ihrer ansässigen Unternehmen und damit der hohe Lebensstandard in der gesamten Metropolregion FrankfurtRheinMain sind im bedeutenden Maße von einer modernen digitalen Infrastruktur abhängig. Und die darf nicht an der Frankfurter Stadtgrenze enden, sondern muss in der gesamten Rhein-Main Region verfügbar sein. Die engen wirtschaftlichen Verflechtungen der Unternehmen aus Frankfurt mit denen in der Region erlauben keinen uneinheitlichen Standard. Ebenso machen es zunehmend flexible Arbeitszeitmodelle erforderlich, dass auch das Home Office im Umland über eine moderne Verbindung angebunden ist.  

Daher unterstützt die Wirtschaftsinitiative FranfurtRheinMain die Idee der „Initiative Frankfurt Digitale Hauptstadt“, einen gemeinsamen Anspruch zur digitalen Infrastruktur für die Stadt Frankfurt sowie für die gesamte Metropolregion FrankfurtRheinMain zu formulieren. Darauf aufbauend sind dann auch gemeinsame Ziele zu definieren sowie Projekte und konkrete Maßnahmen festzulegen.     

Es ist wichtig, dass die Stadt Frankfurt das Thema Digitalisierung auf die höchste Prioritätenstufe stellt und gemeinsam mit den Kommunen aus der Region einen Aktions- und Investitionsplan aufsetzt. Mit dem „House of IT“ oder auch mit der Clusterinitiative „Digital Hub Frankfurt“ gibt es bereits exzellente Netzwerkplattformen, die hierzu Beiträge und koordinierende Aufgaben übernehmen könnten.

Die Wirtschaftsinitiative FrankfurtRheinMain steht mit ihrem Verbund von über 120 Unternehmen aus der Region ebenfalls gerne bereit, in diesem Bereich ihren Beitrag zur Zukunft und Wettbewerbsfähigkeit der Metropolregion FrankfurtRheinMain zu leisten.

Ob all dies dazu führen wird, dass in naher Zukunft Frankfurts Schülerinnen und Schüler ihren Schulweg ohne Gefahr von Haltungsschäden antreten können, bleibt abzuwarten. Wichtig aber ist zunächst, dass die Stadt Frankfurt und die Metropolregion FrankfurtRheinMain insgesamt einen ‚digitalen‘ Anspruch formulieren und diesen über einen entsprechenden Maßnahmenplan mit Leben füllen.

Die Wirtschaft streckt ihre Hand zur Kooperation aus. Wenn am Ende dabei herauskommen sollte, das Frankfurt digitale Hauptstadt wird, wäre dies für die Wirtschaft und die Menschen in unserer Region sicherlich nicht von Nachteil.  

 Jörg Schaub - Geschäftsführer der Wirtschaftsinitiative FrankfurtRheinMain e.V. Jörg Schaub
Geschäftsführer
Wirtschaftsinitiative
FrankfurtRheinMain e.V.

 

 

  

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